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Bonn.
28.05.2009. Am 12. und 13. Mai 2009 fand auf
Burg Warberg der traditionelle Saatguthandelstag
statt. Der Treffpunkt der Saatgutbranche war
auch in diesem Jahr mit 140 Teilnehmern wieder
gut besucht. Veranstalter waren der
Bundes-verband der VO-Firmen e.V. (BVO) und die
Bundeslehranstalt Burg Warberg.
Der
BVO-Vorsitzende, Karlheinz Lichtschläger,
zeigte in seiner Eröffnungsrede anschaulich auf,
vor welchen Herausforderungen die Saatgutbranche
aktuell steht: Die Volatilität der Märkte und
ihre Auswirkungen auf den Konsum- und
Getreide-saatgutmarkt, Fragen im Bereich
Gentechnik und die Auswirkungen des
Anbau-verbots für MON810, Gewährleistung des
Züchtungsfortschritts und Erhalt der
Sortenvielfalt bei sich verändernden
Rahmenbedingungen und neuen Anforde-rungen an
das Saatgut sowie die politisch relevanten
Fragen rund um das Thema der Saatgutbeizung.
Ein
Schwerpunktthema des Saatguthandelstages war die
Frage, ob angesichts der Forderungen nach
Züchtungsfortschritt und Sortenvielfalt noch
eine effiziente Vermarktung und
Saatgutproduktion möglich sind. Die große Anzahl
an zugelas-senen Getreidesorten und die jedes
Jahr zur Zulassung angemeldeten Sorten zeigen,
welcher Zuchtfortschritt noch immer erzielt
wird. Denn nur Sorten, die eine Verbesserung
gegenüber existierenden Sorten aufweisen, werden
zugelassen, erklärte Dirk Rentel vom
Bundessortenamt während des Saatguthandelstages.
Die vielfältigen unterschiedlichen
Anbaubedingungen innerhalb Deutsch-lands machten
auch die Vielfalt notwendig, betonte er.
Anschaulich verdeut-lichte Rentel auch, wie hart
das Ausleseverfahren für die Zulassung einer
neuen Sorte ist. So werden seinen Angaben
zufolge von 100 in der Wertprüfung befind-lichen
Weizensorten nach drei Prüfjahren nur 10 Sorten
zugelassen und eine Empfehlung erhalten etwas 5
Sorten. Für Arten mit einer nur geringen
Bedeutung und einer kleinen Anbaufläche fürchtet
er allerdings einen Teufelskreis – so lasse sich
schon heute die Züchtung z.B. für Hafer oder
Leguminosen aus dem geringen Saatgutverkauf
nicht finanzieren. Zu geringe Verkaufserlöse
minimieren wiederum den Züchtungsfortschritt –
was seinerseits den Anbau weniger attraktiv
mache, so Rentel. Dr. Andreas Jacobi, W.
von Borries-Eckendorf GmbH & Co. KG, machte in
seinem Vortrag klar, dass Sortenvielfalt die
Voraussetzung für Züchtungsfort-schritt ist. Nur
durch ein breites Sortenspektrum könne eine
optimale regionale Differenzierung und eine
regionenangepasste Anbauempfehlung erarbeitet
werden. Er betonte, dass zukünftig die
Interaktion zwischen Sorte und spezifischen
Anbau-bedingungen des jeweiligen Jahres an
Bedeutung gewinnen werde. Seiner Ansicht
nach, reichen die heute verfügbaren Sorten gar
nicht aus, um die Märkte der Zukunft zu bedienen
(z.B. Energiepflanzen, trockenresistente
Pflanzen für den Klimawandel etc.). Abschließend
appellierte er daran, den Züchtungsfortschritt
nicht nur über den Ertrag zu messen, sondern
auch andere Faktoren in die Betrachtung
einzubeziehen. Franz Beutel, IG
Pflanzenzucht, stellte klar, dass nur etwa ein
Viertel der zugelassenen Weizensorten für den
Saatgut-markt Relevanz entfaltet - derzeit sind
in Deutschland 154 Weizensorten zuge-lassen,
jedoch nehmen 28 Sorten 80 % der
Vermehrungsfläche in Anspruch. Dennoch hält er
auch „kleinere“ Sorten für wichtig, da sie den
Landwirten eine breite Auswahl unter den
jeweiligen betriebswirtschaftlichen Bedingungen
und Frucht-folge etc. ermöglichen. Mit einem
klaren „Ja“ beantwortete er die Frage, ob trotz
Sortenvielfalt eine effiziente Vermarktung und
Saatgutproduktion möglich sind. Die
Saatgutwirtschaft müsse sich den Anforderungen
der Kunden nach wett-bewerbsstarken Sorten
stellen und ihre Prozesse optimieren, um die
Nachfrage bedienen zu können.
Der zweite
Tag des Saatguthandelstages stand ganz im
Zeichen der Saatgut-beizung, die seit dem
Bienensterben in 2008 auf dem Prüfstand steht.
Verschiedene Vertreter der Beizmittelindustrie,
der Zulassungsbehörden, der Züchterschaft und
des Handels diskutierten die Frage „Quo vadis
Saatgutbeize?“ Die Zulassungsbehörden haben
bekanntlich die Zulassungen für einige bekannte
Beizwirkstoffe bis heute ruhen lassen und haben
parallel dazu die gesamte Beiz-anwendung für
Raps, Mais, Zuckerrübe und Getreide auf den
Prüfstand gestellt. In einem waren sich alle
einig – die Saatgutbeizung ist die
effizienteste Methode des Pflanzenschutzes und
als solche erhaltenswert. Andererseits sollten
die Anwender und die Umwelt vor möglichen
Gefahren bestmöglich geschützt werden. Hier
ist die gesamte Saatgutbranche aufgerufen, den
Beiz-prozess nachzujustieren. Die Industrie ist
gefordert, neue Haftmittel zu entwickeln, die
geringeren Abrieb bei der Aussaat gewährleisten.
Die Gerätetechniker müssen an der Optimierung
der Anlagen arbeiten, die Beizbetriebe an der
Prozessopti-mierung und der Beizqualität.
„Der
Betonmischer auf dem Hof kommt für das Beizen
nicht mehr in Frage“, so klar urteilte Prof.
Peter Zwerger vom Julius-Kühn-Institut. Alle
Beizmittelwirkstoffe über alle Kulturen stehen
derzeit unter starkem politischen Druck. Es wird
daher intensiv geforscht – das Abriebverhalten
der einzelnen Kulturen getestet, die
Feinstaubver-driftung ebenso wie die
Auswirkungen der Wirkstoffe auf
Nicht-zielorganismen untersucht. Nach Ansicht
von Prof. Zwerger müsse kontinuierlich an der
Verbes-serung der Beizqualität gearbeitet
werden. Wie die Auflagen an die Saatgutbeizung
künftig genau aussehen, stehe derzeit noch nicht
fest. Grenzwerte seien in Diskussion, ebenso
werden die Verfahren der Beizung in allen
Schritten kritisch durchleuchtet.
In der
anschließenden Podiumsdiskussion wurden mögliche
Lösungsansätze diskutiert – wie z.B. eine
Zertifizierung der Beizstellen oder die Abgabe
von Beiz-mittel ausschließlich an professionelle
Anwender. Es hat sich gezeigt, dass die
Saatgutbranche aufgerufen ist, gemeinsam an
einer Lösung zu arbeiten. Es gilt die Beizung
als vorzügliche Methode des Pflanzenschutzes zu
erhalten. |