Saatgutwirtschaft fordert faire Wettbewerbsbedingungen in Europa

09.06.2026

Anlässlich des Saatguthandelstages des Bundesverbandes der VO-Firmen am 9./10. Juni 2026 in Magdeburg fordert der Vorsitzende Jörg Hartmann bessere wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen für die Saatgutwirtschaft in Deutschland. Angesichts steigender Produktionskosten, wachsender regulatorischer Anforderungen und zunehmender Wettbewerbsnachteile im europäischen Vergleich warnt Hartmann vor einer schleichenden Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland.

„Die Rahmenbedingungen für die Saatgutproduktion haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen wir faire Bedingungen für die Produktion in Deutschland“, erklärt Hartmann in seiner Eröffnungsrede.

Besonders kritisch bewertet der Vorsitzende die Entwicklung bei Lizenzgebühren sowie den Kosten für Basis- und Vorstufensaatgut. Deutsche Saatgutproduzenten stünden im europäischen Wettbewerb vielfach unter Druck, da für identische Sorten im Ausland teils deutlich niedrigere Lizenzsätze anfielen. Dies führe dazu, dass Vermehrungsaktivitäten verlagert, Saatgut verstärkt importiert und heimische Wertschöpfung geschwächt werde.

„Unser Anspruch ist klar: Wir wollen qualitativ hochwertiges Saatgut in Deutschland produzieren und von hier aus Landwirte im In- und Ausland versorgen. Deutschland darf nicht auf die Rolle eines reinen Importeurs oder Händlers reduziert werden“, betont Hartmann.

Neben wirtschaftlichen Herausforderungen sieht die Branche insbesondere regulatorischen Handlungsbedarf bei der Saatgutbehandlung und Pflanzengesundheit. Mit Sorge beobachte die Saatgutwirtschaft den Wegfall wirksamer Behandlungsoptionen, während neue Alternativen vielfach nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung stünden. Gerade bei samenbürtigen Krankheiten seien wirksame und den deutschen Produktionsstrukturen angepasste Verfahren entscheidend für Qualität, Ertragssicherheit und Versorgungssicherheit.

„Wenn wirksame Behandlungsoptionen verloren gehen, entstehen erhebliche Risiken für die Qualität des Saatguts, die Ertragssicherheit und letztlich für die gesamte landwirtschaftliche Produktionskette“, sagt Hartmann. Regulatorische Entscheidungen müssten deshalb praktikabel ausgestaltet werden und Innovationen ermöglichen, anstatt zusätzliche Unsicherheit und Bürokratie zu schaffen.

„Die Saatgutproduktion ist eine tragende Säule einer leistungsfähigen, nachhaltigen und resilienten Landwirtschaft. Wer Versorgungssicherheit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit stärken will, muss die Saatgutwirtschaft als strategischen Teil der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette verstehen“, so Hartmann abschließend.

 

Bundesverband der VO-Firmen e.V.

Der Bundesverband der VO-Firmen e.V. (BVO) vertritt bundesweit die Vermehrungs-Organisationsfirmen (VO-Firmen) für die Bereiche Getreidesaatgut, Leguminosen, Feldsaaten und Öko-Saatgut. Mit ihrer Tätigkeit bringen VO-Firmen Züchtungsfortschritt, genetische Vielfalt und kontrollierte Qualität in die breite landwirtschaftliche Praxis und nehmen somit eine entscheidende Rolle in der Wertschöpfungskette der landwirtschaftlichen Produktion ein.

 

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Martin Courbier
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